Und täglich grüßt das Patriarchat – Teil 5 von 10

Warum Gleichberechtigung im Alltag entschieden wird – nicht im Leitbild

Viele denken beim Patriarchat an große Machtfragen: Politik, Wirtschaft, alte Eliten. Doch ein großer Teil seiner Wirksamkeit entfaltet sich im Alltag – in scheinbar kleinen, normalen Dingen. In Sprache, in Konsumentscheidungen, in Netzwerken, in Kleidung, in Sicherheit.

In meiner Reihe „Und täglich grüßt das Patriarchat“ habe ich 2025 genau dort angesetzt: bei Situationen, die wir oft hinnehmen, weil sie selbstverständlich wirken. Hier sind fünf weitere Folgen in der Zusammenfassung – jede für sich ein Beispiel dafür, wie tief patriarchale Logiken in unseren Alltag eingeschrieben sind. Wer detaillierter Bescheid wissen möchte und auch die spannenden Kommentare der Leser*innen auf LinkedIn anschauen möchte, der kommt hier über die Links direkt zu den Beiträgen auf LinkedIn.

 

Kurze Zusammenfassung der fünf Beiträge

Folge 21: Warum Männer Kontakte haben und Frauen Netzwerke brauchen

Viele Männer wachsen ganz selbstverständlich in Strukturen hinein, die später Macht und Einfluss bedeuten: Sportvereine, Studentenverbindungen, Alumni-Netzwerke, informelle Seilschaften. Diese Kontakte wirken oft ein Leben lang – effizient und ohne als „Netzwerken“ benannt zu werden.

Frauen hingegen müssen sich Sichtbarkeit häufig aktiv erarbeiten. Sie gründen Netzwerke, suchen Mentoring, investieren Zeit und Energie – nicht aus Kalkül, sondern weil Zugänge sonst fehlen. Studien zeigen: Karriereentscheidungen werden häufig informell getroffen, über Ähnlichkeit, nicht über Kompetenz. Das ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem.

Netzwerke entscheiden über Aufstieg. Solange ihr Zugang ungleich verteilt ist, bleibt Gleichstellung Illusion.

 

Folge 22: Warum Frauen im Wald lieber Bären begegnen 

Die virale Frage „Mann oder Bär im Wald?“ wurde belächelt und gleichzeitig entlarvend beantwortet. Viele Frauen wählten den Bären. Nicht aus Provokation, sondern aus Erfahrung.

Frauen lernen früh, sich anzupassen: Wege zu meiden, Schlüssel festzuhalten, wachsam zu sein. Diese permanente Vorsicht ist kein persönliches Sicherheitsbedürfnis, sondern Ausdruck struktureller Gewalt. Studien zeigen, wie häufig sexuelle Belästigung und Übergriffe sind und wie selten sie ernsthaft verhindert werden.

Gewalt beginnt nicht erst bei körperlichen Übergriffen. Sie beginnt bei Sprache, Blicken, Grenzüberschreitungen, die verharmlost werden. Wer die Basis toleriert, ermöglicht die Spitze.

Mehr Infos zur Bären-Geschichte gibt es z.B. in diesem Spiegel-Artikel.

 

Folge 23: „Männer können einfach nicht …“ – warum solche Sätze das Problem verstärken

Sätze wie „Männer sind halt so“ wirken harmlos. In Wahrheit entlasten sie genau dort, wo Verantwortung nötig wäre.
Wenn wir fehlende Care-Arbeit, emotionale Abwesenheit oder mangelnde Beteiligung biologisieren, machen wir sie unveränderlich. Dabei zeigt die Forschung klar: Geschlechterrollen sind erlernt und veränderbar. Männer übernehmen Verantwortung, wenn sie gesellschaftlich erwartet und strukturell ermöglicht wird.
Nicht Können ist das Problem. Sondern Erwartung, Haltung und Verantwortung.

 

Folge 24: Warum Frauenkleidung oft k(l)eine Taschen hat

Taschen sind kein modisches Detail. Sie sind ein Symbol für Handlungsmacht.
Historisch waren funktionale Taschen Männern vorbehalten. Frauen trugen wenn dann versteckte Beutel. Diese Logik wirkt bis heute nach: Frauenkleidung ist oft ästhetisch, aber unpraktisch. Mobilität wird eingeschränkt, Besitz ausgelagert, Hände werden belegt.
Mode ist nie neutral. Sie erzählt, wessen Körper handeln soll und wessen dekorieren.

 

Folge 25: Warum der Rasierschaum für Frauen teurer ist

Die sogenannte Pink Tax beschreibt, wie Produkte für Frauen systematisch teurer vermarktet werden – bei gleicher Leistung. Pflegeprodukte, Medikamente, Dienstleistungen: Frauen zahlen mehr, obwohl sie im Schnitt weniger verdienen.
Gendermarketing erzeugt früh den Eindruck, dass Weiblichkeit aufwendig, teuer und optimierungsbedürftig ist. Das ist kein Zufall, sondern ein Geschäftsmodell.
Sich zu wehren heißt nicht nur sparen. Es heißt, strukturelle Ungleichheit sichtbar zu machen.

 

Fazit: Patriarchat ist kein Randthema – es ist Alltag

Diese fünf Folgen zeigen: Ungleichheit ist selten spektakulär. Sie ist leise, alltäglich, gewohnt.
Doch genau dort entfaltet sie ihre größte Wirkung.
Gleichberechtigung entsteht nicht durch individuelle Anpassung, sondern durch strukturelle Veränderung: durch andere Erwartungen, andere Zugänge, andere Narrative.
Wenn dich diese Perspektiven begleiten oder stärken, dann bleib gern verbunden – im Blog, im Buchclub, im Frauen.Raum oder hier.
Denn das Patriarchat verliert dort Macht, wo wir es erkennen, benennen und gemeinsam verändern.

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