Muttertät? Wie Pubertät? Was ist das?

In den letzten Jahren taucht immer mal wieder der Begriff „Muttertät“ auf, der von den Schwesterherzen Doulas geprägt wurde. Der wissenschaftliche Begriff für die Transformation zur Mutter lautet „Matreszenz“.

 

Muttertät lehnt sich bewusst an etwas an, das wir alle bereits kennen: die Pubertät.

Denke einmal zurück an das Mädchen, das du warst, bevor du in die Pubertät gekommen bist. Und nun denke an die junge Frau, die du warst, als die Pubertät zu Ende war. Wie war das? Dieser Entwicklungsschritt, diese Phase der Selbstfindung? Die Abnabelung von den Erwartungen der Eltern und die Reibereien, die dazu mitunter nötig waren?

Während über die Pubertät offen gesprochen wird, wir vorab wissen, dass wir sie irgendwann durchlaufen werden und eine ungefähre Vorstellung haben, was da so passiert, ist die Muttertät bisher kein großes Thema.

Doch ähnlich der Pubertät ist die Muttertät eine große Transformation. Du bist, wenn du Mutter bist, nicht mehr die Frau, die du vorher warst.

Man spricht von fünf Ebenen der Veränderung, die Frauen durchlaufen, wenn sie Mutter werden:

  • körperliche Ebene
  • psychologische Ebene
  • Beziehungsebene
  • berufliche Ebene
  • Ebene der Weltanschauung

 

Es kann unglaublich entlastend sein, zu wissen, dass es sich hier um einen natürlichen Prozess handelt. Es ist normal, diesen zu durchlaufen. Gehen wir die Ebenen nun einmal detailliert durch:

 

Muttertät 1/5 – Die körperliche Ebene

„Wann hast du denn vor, wieder in deine alten Jeans zu passen?“

Wenn Frauen Mütter werden, findet die erste sichtbare Veränderung körperlich statt. Medizinisch wissen wir recht gut, was nun passiert. Spannend ist dennoch, welche Erwartungen durch Medien, die Gesellschaft und uns selbst dann noch hinzukommen.

Kennst du Folgendes?

  • Oft hören wir, dass schwangere Frauen besonders schön seien und strahlen. 90% der Frauen haben aber unterschiedlich starke Beschwerden wie Übelkeit, Müdigkeit, Rückenschmerzen etc. Sie fühlen sich nicht schön in diesem Moment.
  • Es wird oft idealisiert, dass Geburten natürlich und komplikationslos verlaufen sollten, was zusätzlichen Druck erzeugen kann.
  • Wir haben klare Vorstellungen zum Thema Stillen. Schwangerschafts- und Geburtsnarben werden eher tabuisiert. Mütter, die hier nicht dem Ideal entsprechen, haben oft sehr mit sich zu kämpfen.
  • Promis, die kurz nach der Geburt wieder in makelloser Form erscheinen, setzen viele Mütter unter Druck, schnell nach der Geburt wieder zu ihrem „Vor-Baby-Gewicht“ zurückzukehren und dabei einen schlanken und fitten Körper zu haben.
  • Trotz schlafloser Nächte und der Anstrengungen der Mutterschaft wird erwartet, dass Mütter frisch und ausgeruht aussehen. Dass sie nun ausreichend Zeit für Fitness und Körperpflege haben, wird oft vorausgesetzt. Doch wer erinnert sich nicht daran, dass selbst eine Dusche mitunter hart erkämpft und gut organisiert sein muss?

Dass wir in Deutschland noch immer keine Familienstartzeit eingeführt haben, die Müttern die Unterstützung der Partner zumindest in den ersten 14 Tagen ermöglicht, zeigt, dass das Wochenbett nicht ausreichend Beachtung findet. Es erscheint uns normal, dass Mütter sehr schnell alleine für sich und das Baby sorgen.

Viele Mütter erleben ambivalente Gefühle. Einerseits kennen viele das Gefühl von Stolz, Dankbarkeit und Demut, dieses Wunder vollbracht zu haben. Hinzu kommt oft auch Scham und ein Gefühl fremd im eigenen Körper zu sein, wenn Empfindungen und Erscheinung nicht mehr dem entsprechen, wie es vorher war.

Bis Hormone wieder im Gleichgewicht sind und der Heilungsprozess abgeschlossen ist, können viele Monate vergehen.

Auf der körperlichen Ebene entsteht schon sehr viel Druck. Diesen sollten wir durch Ehrlichkeit und Anerkennung auflösen.

Wie sind deine Erfahrungen? Wie hast du deine körperliche Veränderung erlebt und wie ist deine Umgebung damit umgegangen?

 

Muttertät 2/5 – Die psychologische Ebene

„Die Geburt ist das Epizentrum der Schöpfung und doch eine zutiefst transformierende Erfahrung für jede Frau. Sie verändert die Perspektive auf das Leben und die eigene Existenz grundlegend.“

Dieses Zitat von Simone de Beauvoir fasst die Muttertät schön zusammen. Mit jedem Kind wird eine Mutter geboren, die nicht mehr die Frau sein wird, die sie vorher war.

Warum?

Frauen müssen einen neuen Weg der Selbstbestimmung finden. Das Baby verlangt uns alles ab und Sprüche aus der Gesellschaft wie „eine gute Mutter hat auch immer ein schlechtes Gewissen“ lassen vermuten, dass unsere 100%ige Aufmerksamkeit nun unserem Kind gehört. Gleichzeitig merken Mütter aber früher oder später alle, dass sie diesen Anspruch nicht erfüllen können. Die eigene Mutterrolle zu definieren, ist ein Prozess, der Jahre dauern kann und sehr intensiv ist.

Begleitet wird dieser Prozess oft von Angst und Unsicherheit. Tue ich das Richtige für mein Kind? Und auch für mich? Was ist richtig? Um in der neuen Lebensphase Standfestigkeit zu erlangen, ist viel innere Arbeit und Unterstützung notwendig.

Viele Mütter entdecken plötzlich völlig neue und erweiterte Gefühlsebenen. Angst und Glück bekommen neue Dimensionen. Es kommen manchmal neue Gefühle wie z.B. Wut hinzu. Frauen sind oft irritiert darüber, dass sie Emotionen haben, die sie von sich bisher nicht kannten.

Werte werden überprüft und neu ausgerichtet. Was uns vorher richtig erschien, kann sich nun falsch anfühlen und andersherum. Prioritäten verändern sich. „Ich wollte doch immer in der Stadt leben, warum zieht es mich nun aufs Land?“ Kann ich diesen Gefühlen trauen? Was will ich wirklich? Frauen kalibrieren sich neu und das kann sehr verunsichernd wirken.

Gleichzeitig entdecken Mütter manchmal neue Fähigkeiten und Interessen. Freundschaften verändern sich und es kommen neue hinzu. Es verändert sich die Beziehung zu den eigenen Eltern, wenn zu der eigenen Kindrolle noch die Elternrolle hinzukommt.

Die Muttertät bietet Frauen die Chance, sich neu zu entdecken. Das bewusste Loslassen von Altem bietet Raum für Neues.

„Nach der Geburt meines ersten Kindes habe ich gelernt, dass ich stärker bin, als ich jemals gedacht hätte. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass ich vieles meistern kann, von dem ich vorher dachte, es sei unmöglich.“
– Anke Engelke

Es besteht kein Zweifel, dass das Elternwerden eine lebensverändernde Erfahrung ist. Aber es verändert auch die Beziehung zu deinem Partner, während ihr diese neue Welt gemeinsam erkundet.

 

Muttertät 3/5 – Die Beziehungsebene

„Die Mutter wird zur Großmutter, der Partner zum Vater, die Partnerin zur Mutter, man selbst vom Kind zum Elternteil. Mit der völlig neuen Perspektive auf andere Personen, verändert sich der Anspruch und die Wahrnehmung. Fand ich die sorglose Art meines Partners eben noch charmant, kann sie mich jetzt in den Wahnsinn treiben.“

Das Baby kommt, die Beziehungen bleiben und verändern sich doch.

Die Mutter wird zur Großmutter, der Partner zum Vater, man selbst vom Kind zum Elternteil. Mit der völlig neuen Perspektive auf andere Personen verändert sich der Anspruch und die Wahrnehmung. Fand ich die sorglose Art meines Partners bisher sehr charmant, kann sie mich jetzt in die Weißglut treiben.

So kann ich mich in alten Beziehungen plötzlich fremd fühlen und plötzlich eine unglaubliche Verbundenheit zu Menschen spüren, die ich kaum kenne.

Gerade das, was während so einer Transformation so wichtig wäre – Kommunikation – dreht sich mitunter nur ums Kind und findet unter Schlafentzug und Anspannung statt. Wenn überhaupt. Doch die Rollen müssen neu verhandelt und abgestimmt werden und es ist wichtig zu erkennen, dass wir und unser Umfeld sich durch die Geburt des Babys auch verändert haben.

Mit der Geburt eines Kindes verschieben sich die Prioritäten radikal. Das Wohl des Kindes spielt eine große Rolle. Selbstbestimmung wird weniger und plötzlich mischen sich Menschen in die innersten Familienangelegenheiten ein, die sich bisher dafür nicht interessiert haben.

Die Muttertät bringt tiefgreifende Veränderungen in der Beziehungsebene mit sich. Sie stellt Paare und Beziehungen vor neue Herausforderungen, bietet aber auch die Möglichkeit, eine stärkere und tiefere Verbindung zu entwickeln. Wenn das nicht klappt, dann gilt es auch das zu akzeptieren. Nicht immer wachsen Menschen in die gleiche Richtung.

 

Muttertät 4/5 – Die berufliche Ebene

„Es ist unmöglich, eine perfekte Mutter und eine perfekte berufstätige Frau zu sein. Manchmal bedeutet das, dass man Prioritäten setzen muss und akzeptieren muss, dass man nicht alles gleichzeitig tun kann.“

Mutterschaft hat oft auch tiefgreifende Auswirkungen auf die Karriereentwicklung und die berufliche Identität:

  • Viele Frauen entscheiden sich für eine berufliche Pause, um sich in den ersten Monaten oder Jahren nach der Geburt um ihr Kind zu kümmern. Laut einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung dauert die durchschnittliche Elternzeit in Deutschland etwa 14 Monate.
  • Mutterschaft führt außerdem häufig zu einem Wechsel von Vollzeit- zu Teilzeitarbeit oder zu flexibleren Arbeitszeitmodellen. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass 46% der erwerbstätigen Mütter in Teilzeit arbeiten, im Vergleich zu nur 10% der Väter. Diese Arbeitszeitreduktion kann sich langfristig auf Karrieremöglichkeiten und Gehaltsentwicklung auswirken.

 

Mutterschaft kann auch zu einer Neuausrichtung der beruflichen Ziele und Prioritäten führen. Viele Frauen überdenken ihre Karrierepläne und suchen nach Möglichkeiten, die besser mit ihren neuen Lebensumständen und Werten in Einklang stehen. Dies kann bedeuten, dass sie Branchen wechseln, eine Weiterbildung absolvieren oder sogar den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. 

Während der Elternzeit und beim Übergang zurück in den Beruf erleben manche Mütter das Gefühl von Isolation. Der Verlust des täglichen Kontakts mit Kollegen und die Veränderungen in den beruflichen Netzwerken können herausfordernd sein. Netzwerke und Mentoring-Programme, die speziell auf berufstätige Mütter ausgerichtet sind, können helfen, diese Isolation zu überwinden und den beruflichen Wiedereinstieg zu unterstützen.

Die Entscheidung, eine Familie zu gründen, hat oft langfristige Auswirkungen auf die berufliche Laufbahn. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) verdienen Mütter im Durchschnitt 20% weniger als kinderlose Frauen gleichen Alters und Qualifikation. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Reduzierung des Gender Pay Gaps und zur Förderung der Chancengleichheit im Beruf.

Was hat sich bei dir beruflich verändert als du Mutter wurdest?

 

Muttertät 5/5 – Die Veränderung auf der Ebene der Weltanschauung 

„Die Mutterschaft ist das, was die Frau verändert und ihr eine neue Perspektive auf das Leben und die Gesellschaft gibt.“

Viele Mütter können sich mit diesem Zitat gut identifizieren. Denn die Sicht auf die Dinge verändert sich durch Mutterschaft oft enorm.

Mit der Mutterschaft verschieben sich die Prioritäten oft dramatisch.

Was früher als wichtig erschien, kann plötzlich in den Hintergrund treten. Wir sind nicht mehr für uns alleine verantwortlich. Diese Veränderung zwingt uns, unsere Werte und Ziele neu zu bewerten und zu überdenken. 

Mutterschaft öffnet oft die Augen für die Bedeutung von Gemeinschaft und gegenseitiger Unterstützung.

Viele Mütter erkennen, dass sie auf ein Netzwerk von Freunden und Familie angewiesen sind, um die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. Diese Erkenntnis kann zu einem stärkeren Engagement in der Gemeinschaft und zu einem aktiveren Streben nach kollektiven Lösungen für gesellschaftliche Probleme führen.

Die Erfahrung der Mutterschaft kann ein tieferes Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeiten und die Notwendigkeit von Veränderungen schaffen.

Mütter erleben häufig die Ungleichheiten im Zugang zu Ressourcen, Bildungs- und Berufsmöglichkeiten hautnah und sind daher oft motiviert, sich für bessere Bedingungen und mehr Gerechtigkeit einzusetzen. Dieses Engagement kann sich in politischen Aktivitäten, gemeinnütziger Arbeit oder in der Unterstützung von Initiativen zur Förderung der Gleichstellung ausdrücken.

Mit der Verantwortung für ein neues Leben kommt oft auch ein stärkeres Bewusstsein für die Zukunft unseres Planeten und die Notwendigkeit von nachhaltigen Lebensweisen.

Viele Mütter setzen sich aktiv für Umwelt- und Klimaschutz ein, weil sie die Welt, in der ihre Kinder aufwachsen werden, positiv gestalten wollen. Diese Einstellung kann auch die beruflichen Entscheidungen und das Konsumverhalten beeinflussen und zu einem bewussteren Lebensstil führen.

In einer Welt, die zunehmend auf individuelle Leistung fokussiert ist, erinnert uns die Erfahrung der Mutterschaft an die Bedeutung von Gemeinschaft, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Unser Blick weitet sich, er eckt an und erkennt neue Möglichkeiten.

Wie ist es dir damit ergangen? Wie hat deine Mutterschaft deine Weltanschauung verändert?

Am 9.9. sind Muttertät und Muttermythos Inhalt meines Empowerment Circles.

Melde dich gerne hier an, wenn du Interesse an einem intensiveren Austausch zu dem Thema hast.

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