Ein persönlicher Rückblick auf die Lesung mit Dr. Birgit Happel im Buchclub EqualPages
Geld ist ein Tabuthema. Vor allem für viele Frauen und ganz besonders für Mütter.
Genau deshalb war es so wertvoll, dass wir im Buchclub EqualPages die Autorin, Soziologin und Gründerin des Sozialunternehmens Geldbiografien, Dr. Birgit Happel, zu Gast hatten. Sie stellte ihr hochaktuelles Buch „Auf Kosten der Mütter“ vor – ein Plädoyer für finanzielle Gerechtigkeit und echte Gleichstellung.

Schon der Titel macht klar:
Unsere Gesellschaft braucht starke Frauen – doch oft bezahlen sie dafür einen hohen Preis.
Wenn Mütter erst im Nachhinein hinschauen
Ein zentraler Gedanke, der sich durch den Abend zog: Viele Frauen, vor allem Mütter, beschäftigen sich erst sehr spät – manchmal erst nach einer Trennung oder im Rentenalter – mit ihrer finanziellen Situation.
Birgit Happel erlebt in ihrer Arbeit, dass Mütter in Gelddingen oft selbstlos, unerfahren und vertrauensvoll agieren. Sie verlassen sich darauf, dass der Partner an sie denkt. Oder dass gesellschaftliche Systeme sie absichern.
Doch die Realität ist eine andere:
- Partner handeln nicht immer im Sinne der Frau.
- Systeme sind oft nicht für Care-Arbeitende gemacht.
Die Folge: finanzielle Abhängigkeit, fehlende Absicherung und im schlimmsten Fall Altersarmut.
Warum richten wir unseren Kindern schneller ein Depot ein als uns selbst?
Eine Frage von Birgit Happel hat viele von uns besonders nachdenklich gemacht:
Warum richten wir unseren Kindern schneller ein Depot ein, als für uns selbst zu sorgen?
Wir alle wollen das Beste für unsere Kinder. Finanzielle Bildung ist unglaublich wichtig, um unsere Kinder auf eine selbstbestimmte und nachhaltige Geldbiografie vorzubereiten. Aber wir vergessen dabei oft, dass unsere eigene finanzielle Stärke die Voraussetzung dafür ist, ihnen langfristig Stabilität zu geben. Wer sich selbst absichert, sorgt auch für die Familie vor.
Ein Tabuthema, das wir nicht länger verschweigen dürfen
In der Diskussion wurde spürbar, wie groß das Bedürfnis ist, über Geld zu sprechen und wie selten es tatsächlich geschieht.
Wir sprachen über den Gender Pay Gap und warum er sich so hartnäckig hält.
Über den Mental Load, der Frauen oft davon abhält, ihre Finanzen aktiv zu gestalten.
Über die Altersarmut von Frauen, die kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem ist.
Das Buch von Birgit Happel bot uns dabei nicht nur fundierte Fakten, sondern auch konkrete Impulse: Es ermutigt, die eigene finanzielle Lage ehrlich zu reflektieren und selbstbestimmt Schritte zu gehen.
Finanzen sind Gleichstellung
Der Abend hat eines ganz deutlich gemacht: Gleichberechtigung beginnt bei den Finanzen.
Wer finanziell abhängig ist, kann keine echte Wahlfreiheit leben – weder in Partnerschaften noch im Beruf.
Birgit Happel schafft mit ihrem Buch und ihrer Arbeit einen wichtigen Raum, in dem wir genau diese Zusammenhänge verstehen und verändern können.
Mein Fazit
Die Lesung mit Dr. Birgit Happel war nicht nur inspirierend, sondern auch unbequem im besten Sinne. Denn sie hat uns alle dazu eingeladen, uns ehrlich zu fragen:
- Wo stehe ich finanziell?
- Wie selbstbestimmt bin ich wirklich?
- Und was kann oder will ich tun, um meine Zukunft aktiv in die Hand zu nehmen?
Ein Abend, der gezeigt hat: Finanzielle Bildung ist kein Luxus, sondern ein Schlüssel für Gleichstellung und „Auf Kosten der Mütter“ ein großartiger Einstieg, sich diesem wichtigen Thema zu widmen.
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